Programm Frühling 2017

Während die Frühlingskonzerte (Infos & Reservation hier) immer näher kommen, hat Iris Eggenschwiler bereits eine kleine Werkeinführung für Sie geschrieben – viel Spass beim Einlesen in unser Frühlingsprogramm!

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Klarinettenkonzert A-Dur, KV 622
Solisten: Salome Etter, Ennio Schnieder, Simon Lantsch (SJO-Orchestermitglieder)

Carl Reinecke (1824 – 1910)
Flötenkonzert D-Dur, op. 283
Solistin: Magdalena Zwahlen (SJO-Orchestermitglied)

Robert Schumann (1810 – 1856)
Sinfonie Nr. 1 B-Dur „Frühlingssinfonie“, op. 38

 

Zwei «Spätwerke» und eine Frühlingssinfonie

«Nun meinen lebenslauf; – gleich nach Deiner Abseeglung Spielte ich mit Hr: von Mozart […] 2 Parthien Billard. – dann verkauffte ich um 14 duckaten meinen kleper [d. h. das Pferd]. – dann ließ ich mir durch Joseph den Primus rufen und schwarzen koffé hollen, wobey ich eine herrliche Pfeiffe toback schmauchte; dann Instrumentirte ich fast das ganze Rondó vom Stadtler.»

Aus einem Brief Mozarts an seine Frau Constanze, 7. Oktober 1791

Wolfgang Amadeus Mozart liess es sich im Oktober 1791 offenbar gut gehen und hatte allen Grund dazu. Seine letzte Oper, die Zauberflöte, lief im Theater auf der Wieden und war ein grosser Erfolg, und auch das nebenbei begonnene Klarinettenkonzert war fast fertig. Nur der dritte Satz, das «Rondó», musste noch fertig eingerichtet werden. Als nächster Auftrag wartete das Requiem, das ein anonymer Bote bereits im Sommer bestellt hatte. Nur zwei Monate später verstarb der noch nicht 36jährige Mozart in Wien. Dass Antonio Salieri, der angebliche Rivale, in Verkleidung Mozarts eigene Totenmesse bestellt und ihn anschliessend vergiftet haben soll, gibt zwar eine gute Story ab, hält aber keiner faktischen Überprüfung stand. Die Sterbeurkunde spricht kryptisch von «hitzigem Frieselfieber» – wohl ein rheumatisches Fieber, das eine Herzentzündung hervorrief und zum Tod führte.

Anton Stadler, Mozarts Freund und der Auftraggeber des Konzerts, war nicht nur ein ausgezeichneter, sondern auch ein experimentierfreudiger Klarinettist. Er spielte eine Bassettklarinette des Wiener Instrumentenbauers Theodor Lotz und konnte damit eine grosse Terz tiefer gelangen als mit einer gewöhnlichen Klarinette. Nach der Uraufführung zirkulierte schon bald eine Bearbeitung für die A-Klarinette, die bis heute meistens gespielt wird. Mozarts Autograph mit der ursprünglichen Fassung ist verschollen.

 

Als Carl Reinecke 117 Jahre später (im Alter von 84 Jahren) sein Flötenkonzert schrieb, konnte er auf fast ein Jahrhundert Musikgeschichte zurückblicken, das er als Dirigent, Pianist, Professor am Leipziger Konservatorium und als Komponist miterlebt und mitgeprägt hatte. Besonders Johannes Brahms’ feinsinnige Satztechnik hatte Reinecke beeindruckt, was sich auch im Orchestersatz des Flötenkonzerts gut erspüren lässt.

Als Chefdirigent des Leipziger Gewandhausorchesters hatte Reinecke von 1881 bis 1895 mit dem Soloflötisten Maximilian Schwedler zusammengearbeitet, dem er das Konzert widmete. Wie Anton Stadler war auch Schwedler ein aussergewöhnlicher Virtuose mit einem grossen Interesse am Instrumentenbau. Zusammen mit der Instrumentenbaufirma Kruspe hatte er die sogenannte Schwedler-Kruspe-Reformflöte entwickelt. Es handelte sich dabei um ein konisch gebohrtes Holzinstrument, also um eine Alternative zur zylindrischen, meist metallenen Böhmflöte, die noch heute normalerweise gespielt wird.

 

1839, knapp 50 Jahre vor Schwedlers Eintritt ins Leipziger Orchester, war im Gewandhaus zum ersten Mal Franz Schuberts «grosse» C-Dur-Sinfonie unter der Leitung von Felix Mendelssohn-Bartholdy erklungen. Robert Schumann war im Archiv des Vereins für Musikfreunde auf das Manuskript mit dem bisher praktisch unbekannten Werk gestossen und war tief beeindruckt von dessen «himmlischer Länge», der «Weite und Breite der Form» (so in seiner Neuen Zeitschrift für Musik), die er als kompositorische Alternative zu den omnipräsenten Sinfonien Beethovens und als Anknüpfungspunkt für sein eigenes sinfonisches Schaffen auffasste. In seiner ersten Sinfonie von 1841 übernahm er von Schubert die Technik, der Sinfonie ein Mottothema voranzustellen, das den motivischen Ausgangspunkt für den ersten Satz bildet und auch in den folgenden Sätzen anklingt. Es ist von einer Strophe aus Adolf Böttgers Frühlingsgedicht inspiriert, deren Rhythmus das Motto übernimmt: «O wende, wende deinen Lauf | Im Thale blüht der Frühling auf».

Die poetische Idee des Frühlings spiegelt sich auch in den Satzüberschriften, die Schumann in seinem Manuskript notierte: «Frühlingsbeginn», «Abend», «Frohe Gespielen» und «Voller Frühling».

 

Iris Eggenschwiler