Presse
Mittellandzeitung vom 3. Mai 2010

«Wir feiern und wir helfen»

Das Siggenthaler Jugendorchester in Brugg

Eine enorme musikalische Vielfalt wurde den Konzertbesuchern in der Stadtkirche Brugg geschenkt: Den Mittelpunkt des Konzertprogramms bildete Edward Elgars Cellokonzert mit dem Solisten David Lüthy. In letzter Zeit ist dieses spätromantische Werk oft zu hören, das sich der depressiv veranlagte Komponist unter Aufbietung aller Kräfte als letztes Werk abgerungen hat.

Die schmerzlich-melancholische Stimmung ist denn auch nicht zu überhören - wenn sie jedoch in solch packender Intensität und hellwacher Präsenz dargeboten wird, wie es bei David Lüthys Spiel der Fall war, siegt die Freude an der Klangschönheit über jegliche Traurigkeit. Wie gebannt verfolgte das Publikum den steten Wechsel der Empfindungen zwischen «Raserei» und lyrischer Schwärmerei und überschüttete den Solisten und das Orchester mit hochverdientem Applaus.

Die Benefizkonzerte in Brugg und Lengnau bildeten den musikalischen Schlusspunkt zum 50-Jahr-Jubiläuml des Rotary Club Zurzach-Brugg, und so liess es sich Präsident Beat Edelmann nicht nehmen, die Besucher persönlich willkommen zu heissen und vor allem den jugendlichen Orchestermusikern und ihrem Dirigenten Marc Urech herzlich zu danken. Das Ensemble zu dem etliche und versierte Zuzüger in den Bläserregistern gehörten, vergalten die lobenden Worte mit einem überdurchschnittlichen und bis zum Schluss des Konzertes ungeschmälerten Einsatz.

Zunächst mit der Wiedergabe der «Hebriden-Ouvertüre» von Felix Mendelssohn, die mit ihrem romantischen Klang und ihrer schwungvoll herausgearbeiteten Dynamik schon zu Beginn des Konzertes aufhorchen liess. Hier wurde durchwegs mit Begeisterung und grossem Einfühlungsvermögen musiziert. Fast ohne Abstriche gilt dieses Kompliment auch für die Interpretation von Franz Schuberts «Unvollendeter» - ein weiteres romantisches Opus, dessen Anforderungen vom Orchester weitgehend bravourös gemeistert wurden.

Das vom Dirigenten vorgegebene Tempo liess keine Unsicherheiten zu und sorgte für eine dichte Stimmung und Atmosphäre. Streicher und Bläser fanden sich in den pochenden Rhythmen und steigerten sich gegenseitig im Bemühen, dieses unvollendete Meisterwerk zu vollendeter Wiedergabe zu bringen. Verdienterweise erhielten alle sieben erstmals im Orchester mitwirkenden Jugendlichen vom Dirigenten eine Rose überreicht und das begeisterte Publikum honorierte die Leistung sämtlicher Mitwirkenden mit tosendem Applaus: ein Höhepunkt, der über den musikalischen Genuss hinaus und unter dem Motto «Wir feiern und helfen» Gutes bewirkt.

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